Ohne Chef

Keine Nabe

Eine Karriere machen, ohne Chef zu sein. Führen, ohne der Boss zu sein. Die Chefin ist ein Sklaventreiber und der Mitarbeiter ein fauler Hund. Auch die Görlitzer Musikschule "Johann Adam Hiller" sucht wieder einen neuen Chef. Seit wann wolltest du deinen Boss nicht mehr abschaffen?

Arbeit ohne Chef: Die klassischen Hierarchien wollen die Schweiz über Bord werfen.

Verschiedene schweizerische Unternehmen setzen neue Führungsmodelle ein, die aus Amerika kommen und den Mitarbeitenden mehr Eigenverantwortung einräumen. Die grössten schweizerischen Unternehmen haben sich von ihren Vorgesetzten getrennt. Zu Beginn des Berichtsjahres teilte uns das Unternehmen mit, dass einige schweizerische Unternehmen - wie CFF, Swisscom oder die Marke Friday pocket - die traditionelle Führungshierarchie aufgegeben und sich für solche wie die Holokratie oder die Sozialgesellschaft entschlossen haben.

Beides basiert auf einer waagerechten Rollenverteilung und sieht vor, dass jeder einzelne Mitarbeitende die Verantwortung trägt. In der Schweiz wurden diese Managementkonzepte jüngst umgesetzt, so führte die Handelsmarke Freitags im Herbst 2016 die Holacracy ein. Diese neuen Businessmodelle haben in den USA und auch in Frankreich viele Befürworter (Décathlon oder Danone) und sprechen vor allem die jüngere Zielgruppe an.

In einer sich stetig verändernden und sich entwickelnden Welt wirkt ein klassischer hierarchischer Arbeitsort tatsächlich veraltet. Bei diesen antihierarchischen Arbeitsweisen wird jeder einzelne Mitarbeitende geschätzt; das erhöht seine Leistungsfähigkeit. Dies sollte nicht unterschätzt werden, vor allem in einer Zeit, in der die jüngere Generationen die traditionellen Arbeitsformen nicht mehr anerkennen.

"Unser Nachwuchs will eine bessere Balance zwischen Beruf und Freizeit", sagte Professorin Marianne Schmid Mast gegenüber RTS. "Die jetzige Zeit will auch am Arbeitplatz mehr Eigenverantwortung übernehmen." Wer Holacracy einsetzen will, muss sich zunächst schulen lassen. Danach müssen Chef und Angestellte eine gewisse Konstitution unterschreiben und in einigen Fällen gar eine mit einem "holokratischen" Betrieb kompatible Lösung einsetzen.

Ohne Chef und Rangordnung agieren

Traditionsgemäß sind Unternehmen hierarchiegegliedert. Holokratie hingegen ist ein Begriff, der auf Mitarbeiterbeteiligung basiert. Das Management der Internetfirma Liip ist seit einem Jahr nicht mehr zusammengekommen. Das Unternehmen mit Sitz in Fribourg und vier weiteren schweizerischen Niederlassungen sowie 135 Mitarbeitenden steigerte im Jahr 2015 sowohl die Umsätze als auch die Mitarbeiterzahl um 30%.

Diesen Erfolgskurs hat Liip mit einer vor drei Jahren geschaffenen dezentralen und selbstorganisierten Organisation erreicht. Liip erprobt deshalb seit Oktober 2015 das Prinzip "Holacracy". Die Holokratie verfolgt einen evolutiven Entwicklungsansatz. Die von der US-Firma HolacracyOne erarbeitete Konzeption hat keine Hierarchie. Der Mitarbeitende erfüllt "Rollen" mit ausführlich geschilderten Aufträgen.

Derjenige, der bei der Holakritik einen Arbeitsprozess ("Prozess") durchführt, kann auch dessen Aufbau mitbestimmen. Die Holokratie ist ein Instrumentarium zur Einführung eines evolutionären Managementkonzepts. Die Holokratie verankert die Entscheidungsgewalt der Arbeitnehmer. In Sitzungen erfolgt die Führung des Tagesgeschäftes und die Fortentwicklung des unternehmensweiten Organisationsreglements. In den taktischen Besprechungen werden die täglichen Arbeitsabläufe geregelt.

"Die" Governance-Meetings befassen sich mit der weiteren Entwicklung der Gesellschaft und der Form der Kooperation. Dies geschieht ohne weiteres, sofern kein Sitzungsteilnehmer einen daraus resultierenden Nachteil nachweist. Der Beweis ist sehr strikt und verhindert, dass jemand den Wechsel verlangsamt, sagt Andrey von Liip. Taktische Sitzungen im Unternehmen sind in der Regel wöchentliche, Governance-Meetings alle zwei bis drei Wochen. 2.

Es kann von jedem zu jeder Zeit ohne die Notwendigkeit eines Konsenses geröstet werden. Dank des Holacracy-Vokabulars können sich neue Mitarbeitende bei Liip nun schneller im Unternehmen zurechtfinden. Im Unternehmen hätte man keinen Chef, aber man würde nie selbst Chef werden, heißt es zum Beispiel. Liip wird in einigen wenigen Wochen darüber nachdenken, ob er sich an die Holokratie hält oder nach einem anderen Begriff Ausschau hält.

Die Konzernbeauftragte für Compliance, Britta Bibel-Cavallaro, hatte im Jahr 2015 ein sechs Personen starkes Team, das unter dem Dach der Organisation war. Mitarbeitende können sich besser engagieren, lösen in Besprechungen umgehend Aufgaben und sind viel besser zufrieden. Nach den Beobachtungen von Bibel-Cavallaro müssen Arbeitnehmer, die seit Jahren in einer hierarchischen Struktur ohne eigene Entscheidungsbefugnis tätig sind, große Veränderungen bei Holacracy vornehmen.

Aus ihrer Sicht sind junge Arbeitnehmer ohne ausgeprägten Hierarchiesinn daher besser mit dem Begriff vertraut. Sie versprechen auch, dass Unternehmen unter dem Holocaust ihren Existenzzweck über Gewinnspannen und Verkaufszahlen hinaus definiert haben. Die in der Druck- und Verlagsbranche tätige Stämpfli-Gruppe mit Sitz in Bern will sich vom klassischen hierarchischen Denken lösen und seine Unternehmen zu Netzwerk-Organisationen ausweiten.

Im Jahr 2015 durften die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der konzerneigenen Agentur für Kommunikation ihren neuen Chef selbst aussuchen. Stämpfli plant, die Holacracy-Diskussion bis zum kommenden Jahr in seine Unternehmen zu bringen und zu untersuchen, ob dieses oder ein anderes evolutives Organisations-Modell am besten dazu passt, die Unternehmensziele zu verwirklichen.

Beat Fraefel, ein auf Change Management spezialisierter Managementberater mit Sitz in Affoltern, Deutschland, beschäftigt sich nicht nur mit der Holokratie, sondern auch mit evolutionären Unternehmensformen. Auf der anderen Seite identifiziert sich der Nachwuchs mit den im Programm von responsive.org festgelegten Wertvorstellungen. Dieses Alter nimmt mehr und mehr verantwortliche Funktionen in Unternehmen ein und möchte diesen Werte zu einem größeren Erfolg verholfen haben.

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