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Von Gründern für Gründer

Teil 1 Einleitung: Die integrierte Ergebnis- und Finanzplanung

Agenda:

1. Erläuterung / Begriffsherkunft

2. Wozu benötigt man eine integrierte Planung?

3. Aufbauplan einer integrierten Gewinn- und Finanzplanung

4. Welche Ausstattung benötige ich um eine Planung aufzusetzen?

5. Erfolgsfaktoren bei der Ergebnis- und Finanzplanung:

6. Ausblick


1. Erläuterung / Begriffsherkunft:

Die integrierte Ergebnis- und Finanzplanung heißt so weil sie die drei Herzstücke der Planung:20140607_Folie_1

  • die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)
  • die Planbilanz
  • die Finanzplanung (Liquiditätsplanung)

miteinander in Verbindung setzt.

Das bedeutet, dass sich in einer sauber aufgesetzten Planung, Änderungen in einem Teil der Planung, direkt auf die beiden anderen Teile auswirken.

Die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) stellt dabei geplante Erträge und Aufwendungen im Planungszeitraum gegenüber und gibt damit Aufschluss über
Gewinn (Erträge>Aufwendungen) oder
Verlust (Erträge<Aufwendungen)
im Unternehmen.

Die Bilanz  stellt Aktiva (Vermögenswerte) und Passiva (Schulden) zu einem Zeitpunkt gegenüber und gibt damit Aufschluss über die Vermögenssituation im Unternehmen.

Die Finanzplanung baut auf der Gewinn- und Verlustrechnung und auf der Bilanz auf und betrachtet die konkreten Zahlungsflüsse in einem Zeitraum. Dies ist notwendig, weil die in der GuV betrachteten Erträge und Aufwendungen, nicht zwingend zu Ein- und Auszahlungen (Geldfluss) führen.
Sehr vereinfacht ausgedrückt ist die Finanzplanung ein Spiegelbild des Kontostands eines Unternehmens.
Sie wird aufgestellt, um eine fortwährende Zahlungsbereitschaft (Liquidität) zu gewährleisten und ist damit, neben dem Gewinn, zweiter unbedingter Faktor für die Existenz eines Unternehmens.
Zusätzlich dient die Finanzplanung als Grundlage zur Ermittlung des Kapitalbedarfs für eine Gründung.

<Im Laufe dieser Fachbeitragsreihe wird auf die GuV, die Planbilanz und die Finanzplanung und ihre jeweiligen Bestandteile ausführlich, anhand von Rechenbeispielen aus der Praxis, eingegangen. Die in diesem Teil aufgeführten Informationen, sollen lediglich dem grundlegenden Verständnis dienen.>


 

2. Wozu benötigt man eine integrierte Planung?

„Planung ersetzt Zufall durch Irrtum“ (Albert Einstein)

Eine integrierte Planung  dient in der Regel den folgenden vier Zwecken:

  1. Entscheidungsunterstützung: Die integrierte Planung hilft Gründern dabei zu entscheiden, ob sich eine Idee aus finanziellen Gesichtspunkten lohnt. Je detaillierter sie aufgesetzt wird, desto genauer kann der finanzielle Erfolg abgeschätzt werden.
  2. Risikominimierung: Mit Modellen lassen sich hervorragend unterschiedliche Szenarien abbilden und auf das eigene Unternehmen projizieren, ohne dass dabei ein wirklicher Schaden entsteht. Man kann vor einer Gründung verschieden Szenarien durchspielen und ist sich dadurch über potentielle Risiken bewusst.
  3. Erkenntnisgewinn: Durch die Planung von unterschiedlichen Szenarien erhält man wertvolle Erkenntnisse zum Beispiel im Bezug auf mögliche Liquiditätsengpässen. Auf Basis dieser Erkenntnisse kann man im Bedarfsfall sofort adäquat reagieren.
  4. Kenntnissvermittlung: Eine integrierte Planung ist vollständig transparent. Somit können betriebswirtschaftlich erfahrene Personen, wie Banker, Investoren oder auch Gründungsberater mögliche Schwächen in der Planung schnell und zuverlässig erkennen. Zusätzlich verlangen seriöse Ansprechpartner eine solche Planung grundsätzlich immer, wenn eine Zusammenarbeit ernsthaft erwogen werden soll.

Eine gut durchdachte integrierte Planung kann die Erfolgschancen des eigenen Unternehmens signifikant erhöhen.
Sie dient als Kommunikations- und Informationsinstrument und ist zusätzlich Maßstab für eine permanente Kontrolle während der Umsetzungsphase.


 

3. Aufbauplan einer integrierten Gewinn- und Finanzplanung:

20140608_Folie_2

1. Definition des Modellzwecks: Als erstes sollte überlegt werden aus welche Zwecke das Modell überhaupt erfüllen muss. Als Gründer benötigt man die Planung meist als essentiellen Bestandteil des Businessplans. Das bedeutet er wird als eigenes Kontrollinstrument genutzt und kommt bei Verhandlungen mit Dritten (Fremdkapitalgeber, etc.) zum Einsatz. Wichtige Fragen für die Definition des Modellzwecks sind:

  • “Was soll mit dem Modell erreicht werden?”
  • “Was muss die Planung können?”
  • “Auf welchen Teil des Modells muss besonders Wert gelegt werden?”
  • “Von wem wird das Modell genutzt und welche Anforderungen haben die Nutzer?”

Man sollte sich zur Beantwortung dieser Fragen ausreichend Zeit nehmen, da diese Art und Form des Planungsmodells entscheiden beeinflussen können.

2. Festlegung der Eigenschaften und des Detaillierungsgrads: Ausgehend von 1. sollten im zweiten Schritt konkrete Eigenschaften und Details des Modells festgelegt werden. Folgende Punkte sind zu klären:

  • Zeithorizont der Planung: Grundsätzlich wird zwischen kurzfristiger Planung (bis 1 Jahr: hoher Konkretisierungsgrad; Untergliederung bis auf Tagesebene möglich; relativ hohe Realisierungswahrscheinlichkeit ), mittelfristiger Planung (2-5 Jahre: geringerer Konkretisierungsgrad; Untergliederung auf Quartalsebene üblich) und langfristiger Planung (ab 5 Jahren: hochaggregierte Planung ohne wirklichen Konkretisierungsgrad) unterschieden.
    Für Gründer empfiehlt sich in der Regel mittelfristig zu planen und viel Wert auf eine detaillierte Planung der ersten beiden Geschäftsjahre zu legen. Gerade im ersten Geschäftsjahr sollte aus Liquiditätsgründen so genau wie möglich geplant werden.
  • Top-down vs. bottom-up: Wir werden uns hier auf eine top-down Planung konzentrieren. Das bedeutet, wir erstellen durch unseren geplanten Umsatz (top), eine grundlegende Datenbasis, anhand derer wir anschließend  Aufwendungen planen und als Ergebnis den Gewinn (down) erhalten. Bottom-up heißt lediglich, dass genau andersrum (mit dem Gewinn starten und den Umsatz als Endergebnis halten )geplant wird.
  • Detaillierungsgrad des Modells:  Als weitere wichtiger Punkt, sollte man klären, ob man auf gewissen Details im Businessplan verzichten kann. Als Gründer sollte man seine Zeit gut einteilen. Auf ein Detail, dass Dich in der Berechnung zwölf Stunden kostet und Dir später einmal zwanzig Euro rettet, kannst Du gut verzichten. Konzentriere Dich in der Zeit lieber auf die Details, die Dir später 20.000 Euro retten.
  • Berechnungsart und verwendete Einheiten: Zu guter letzt sollte man festlegen, welche Berechnungsarten  (z.B. Personalplanung über FTE oder Köpfe) und Einheiten (z.B. TEUR oder MEUR, Tage oder Wochen) man verwendet. Ein einheitliches Modell weißt eine viel geringere Fehleranfälligkeiten auf und ist um einiges leichter zu lesen.

3. Aufbau der Plan GuV: Als erster Schritt im eigentlichen Modellaufbau wird die GuV aufgebaut. Das bedeutet man beginnt unter Berücksichtigung der unter 1. und 2. getroffenen Annahmen, konkrete Zahlen für den Umsatz und die Aufwendungen zu planen.
Da wir uns für eine mittelfristigeTop-down Planung entschieden haben, planen wir die Zahlen für die nächsten 5 Jahre und beginnen mit dem Umsatz. Der Umsatz berechnet sich durch Preis mal Absatzmenge.
Also U=P*A.
Um diese Berechnung durchzuführen benötigen wir eine Preis-Absatz Funktion. Das bedeutet nichts weiter, als: “Wie viele Produkte können wir pro Tag / Woche / Monat / Jahr zu welchem Preis verkaufen?”
Sobald wir diese Frage beantwortet haben, erhalten wir Preis und Absatz und haben damit unseren Umsatz erstellt.
Anschließend planen wir die Aufwendungen, mit denen wir rechnen müssen (z.B. Materialaufwand, Löhne, Mieten, Steuern, etc.).
Wenn wir nun die Aufwendungen vom Umsatz abziehen, erhalten wir den Gewinn und wissen somit, was am Ende des Tages (ohne Berücksichtung des Geschäftsführergehalts) für uns übrig bleibt.

<Die genaue Herleitung und die Berechnung der GuV, werden wir im Kapitel zur GuV ausführlich besprechen und anhand von Beispielen berechnen. Die Informationen hier dienen lediglich dem grundsätzlichen Verständnis.>

4. Aufbau der Planbilanz: Sobald die wesentlichen Punkte der GuV stehen, kümmern wir uns um die Planbilanz. Im Einzelnen bedeutet das die Planung:

  • des Anlagevermögens
  • der Vorräte
  • der Forderungen
  • der Verbindlichkeiten

Hier kannst Du übrigens schon erkennen, warum es integrierte Planung heißt. Die Höhe der geplanten Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (Bankkredite) bestimmt selbstverständlich auch die Höhe der Zinsaufwendungen, die wiederum ein Bestandteil der GuV sind.

5. Aufbau der Finanzplanung: Aus den Ergebnissen der Plan GuV und der Planbilanz kann man die konkreten Zahlungsflüsse ableiten. Man ist also in der Lage zu bestimmen, wann und in welcher Höhe Geld in das Unternehmen fließt und wann Geld aus dem Unternehmen abfließt. So ist man sich zu jeder Zeit über die Liquidität im Unternehmen bewusst.

6. Integration und Abstimmung der Teilbereiche: Stehen die drei Teilbereiche, geht es darum, zu überprüfen ob sich Änderungen in den Planzahlen korrekt auf alle drei Teilbereiche auswirken. Man prüft die Verlinkung der Teilbereiche aufeinander.
Beispielsweise checkt man die Auswirkungen eines geringeren Umsatz auf die Bilanz und die Finanzplanung. In einer korrekt aufgestellten Planung sollte sich eine Änderung im Umsatz, automatisch auf den Forderungsbestand in der Bilanz und den operativen Cashflow in der Finanzplanung auswirken.

7. Analyse der Ergebnisse: Eine gut aufgesetzte Ergebnis- und Finanzplanung erlaubt vielfältige Analysen und Rückschlüsse. Man verwendet in der Regel Kennzahlen (Umsatzrendite, Eigenkapitalrendite, Verschuldungsgrad, Eigenmittelquote, etc.) um den betrieblichen Erfolg zu analysieren.
Kennzahlen haben den Vorteil, dass sie objektiv vergleichbar sind (zumindest innerhalb einer Branche) und sich damit auch sehr gut für einen Vergleich mit anderen Unternehmen eignen (sogenannte Peer-Group Analysis). Auch lassen sie sich Periode für Periode einfach neu berechnen, so dass man über die finanzielle Entwicklung im Unternehmen dauerhaft informiert ist.


4. Welche Ausstattung benötige ich um eine Planung aufzusetzen?

Ein Computer auf dem Excel installiert ist. Es tut uns leid, wenn wir Dich hier enttäuschen müssen. Du benötigst wirklich nur ein Computer und Excel. Jeder, der Dir erzählt, du müsstest Geld in ein teures Planungstool investieren, möchte entweder Geld verdienen oder hat beruflich nichts mit der Konzeption von integrierten Modellen für Gründer zu tun. Kein Programm kann ein Modell so individuell gestalten wie Excel und gerade Start-Ups benötigen diese Flexibilität in hohem Maße.


 

5. Erfolgsfaktoren bei der Ergebnis- und Finanzplanung:

Zwar kommt es bei der Aufstellung einer integrierten Planung auch auf die Fähigkeiten und Erfahrung des “Modelers” an. Das entscheidende Erfolgskriterium ist jedoch, den Aufwand, den man in den Research und die Konzeption des Modells steckt. Durch einen hohen Aufwand bei der Informationsbeschaffung ( Realistischer Absatz, Höhe der voraussichtlichen Fixkosten, realistische Arbeitszeiten, ect.) trennt sich die Spreu vom Weizen. Du als Gründer bist auch ohne tiefgründiges Finanzwissen, in der Lage eine erstklassige Planung aufzusetzen. Informiere Dich ausreichend, sprich mit Experten, hol Dir Kostenvoranschläge und vor allen Dingen sei ehrlich mit Dir selbst. Es ist nicht realistisch am 1. Weihnachtsfeiertag mit 1.000 verkauften Zimmerventilatoren zu rechnen (hat es alles schon gegeben). Nachfolgend findest Du weitere Faktoren, auf die man bei der Erstellung einer Planung, einen Blick mehr riskieren sollte:

  • Realistische und nachvollziehbare Umsatzgrößen planen
  • Urlaub und Krankheit von Mitarbeitern einkalkulieren
  • Orientierung am Marktanteil  bzw. Branchenvergleichswerte heranziehen (Umsatz pro qm,Umsatz pro Mitarbeiter, Gesamtumsatz vergleichbarer Wettbewerber, usw.)
  • Berücksichtung der Umsatzsteuer
  • Möglichkeit von Forderungsausfällen einkalkulieren bzw. verzögerte Bezahlung von Forderungen ( Dies hat Gründern in vielen Fällen das Genick gebrochen)
  • Berücksichtigung von Lohnnebenkosten, die ca. 20% der Personalkosten ausmachen
  • Unterscheidung von fixen und variablen Kosten
  • Ausreichend Anlaufkosten und Reserven für die ersten Zeit einplanen
  • ……

Die integrierte Ergebnis- und Finanzplanung ist kein Hexenwerk und trotzdem in der Lage präzise Prognosen zu stellen. Diese Kombination macht sie so wertvoll. Daher ist es uns ein wirkliches Anliegen, dass Du sie ernst nimmst und ausreichend Zeit investierst. Im Zweifel kann sie Dich davor bewahren einen sehr teuren Fehler zu begehen.


 

6. Ausblick

Im nächsten Teil der Vortragsreihe Financial Business Plan kümmern wir uns verstärkt um den Aufbau der GuV und hier in besonderem Maße um die Erstellung einer Umsatzplanung. Wir machen uns Gedanken, wie man den Umsatz möglichst realistisch planen kann und welchen Hilfsmittel uns hier zur Verfügung stehen.

Solltet Ihr Fragen haben, zögert nicht uns zu kontaktieren. Wir würden uns freuen, wenn wir Euch an der einen oder anderen Stellen unterstützen können.

 

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1 Comment

  1. Ein sehr guter Ansatz. Der Businessplan und gerade auch der Finanzplan sind wichtige Teile der Gründung. Diesen Plan erstellt man erstmal für sich selber um auch die Idee zu Papier zu bringen und neben Chancen und Risiken auch die finanziellen Voraussetzungen besser beurteilen zu können. Hinzu kommt, dass man für die Gründung auch häufig Kapital benötigt und dies nicht immer aus den Eigenmitteln stemmen kann. Daher ist der Businessplan später auch wichtig um auf Kapitalgeber, wie Banken, Fördermittelprogramme, Investoren, etc. zugehen zu können.

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