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Von Gründern für Gründer

Deutschland, keine Gründerkultur

Ich habe in der letzten Woche zwei sehr spannende Statistiken gelesen, die zusammen genommen aber ein für den Standort Deutschland mehr als alarmierendes Bild ergeben. Auf der einen Seite sind die Anzahl der Neugründungen wieder einmal zurückgegangen (schöne Aufarbeitung der Statistik hier). Auf der anderen Seite wird in Deutschland immer mehr Vermögen vererbt; alleine in diesem Jahrzehnt werden geschätzte drei Billionen Euro Vermögen an die nächste Generation weitergereicht. Ob eine solche Erbschaft oder die Besteuerung derselben gerecht ist, bleibt hier erstmal ohne Bedeutung.

Unserer Generation (Generation Y) geht es sehr gut: Die Generationen vor uns waren die Generationen des Wirtschaftswunders und haben dazu beigetragen, dass wir in einem sicheren Land mit höchstem Bildungsstandard leben können. Jeder bekommt heutzutage einen Job und kann sich sein Leben so einrichten und planen wie er möchte. Noch in der Generation unserer Großeltern war das alles anders. Hier wusste niemand mit Sicherheit, wie es weitergehen würde. Und dennoch, oder gerade deshalb, wurde in dieser Generation der Grundstein für das Wirtschaftswunder Deutschland gelegt.

Was hat sich nun für unsere Generation geändert?

Eigentlich könnten wir glücklich sein in einem solchen Umfeld zu leben und diese Sicherheit als Basis dazu verwenden, etwas Eigenes und Neues auf die Beine zu stellen. Jeder von uns hat ein Dach über dem Kopf und etwas zu Essen auf dem Teller. Diese Tatsache könnten wir doch nutzen um daraus etwas Neues zu erschaffen. Doch laut Statistik sind die Neugründungen auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2002 gefallen. Die Zahl von Neugründungen von Kleinunternehmen, unter die Start-Ups häufig fallen, ist um erschreckende 11,5% zurückgegangen.

Ich sehe da auch einen Zusammenhang zur bevorstehenden Welle an Erbschaften. Während die Generation unserer Großeltern und auch Eltern noch in einer eher unsicheren Zeit aufwuchsen und nie so genau wussten, wie es weitergehen wird, so sieht es bei uns schon anders aus. Nach unserer Ausbildung, sei es Lehre oder Studium, gehen wir in ein Unternehmen, arbeiten uns dort hoch und gehen dann mit ca. Mitte 60 in Rente. Dazwischen heiraten wir, bekommen wir Kinder und kaufen ein Haus oder eine Wohnung. Das ist die Sicherheit, die viele von uns haben (wollen). Oben drauf kommt jetzt noch das Vermögen unserer Eltern und Großeltern, das wir erben dürfen. Damit können wir uns unser Leben dann vollends so gestalten wie wir es möchten.

Was brauchen wir schon Neues, wenn es doch ohnehin gut läuft?

Diese Frage stellen sich offensichtlich viele Menschen heutzutage. Darum wird die Gründung eines eigenen Unternehmen immer unbeliebter. Die (trügerische) Sicherheit, die unsere Generation verspürt wird nicht dazu verwendet, um notwendige Innovationen voranzubringen und vielleicht sogar ein neues “Wirtschaftswunder Deutschland 2.0″ zu schaffen. Es reicht uns anscheinend zu wissen, dass immer sonntags um 20:15Uhr der Tatort läuft und dass unser Bier im Kühlschrank genau 7 Grad hat.

Dazu passt auch die Frage, die ich zurzeit häufig gestellt bekomme “Warum tust Du Dir das an?”. Was die Leute damit meinen ist einfach: Ich habe meinen ersten Store von SUITLABS in München im April geöffnet und stehe seitdem an sechs Tagen in der Woche für mindestens zehn Stunden pro Tag dort drinnen. Wieso sollte ich das auch machen, wenn ich mir es auch an einem Schreibtisch “gemütlich” machen kann und andere laufen lassen kann. Als Gründer werde ich manchmal auch schief angesehen und gefragt, ob man sich sicher wäre das Richtige zu tun. Diese Frage gebe ich gerne einfach zurück.

Hinzu kommt, dass erfolglose Gründer häufig in eine Schublade gesteckt werden und viele sagen “das hab ich doch sowieso gewusst”. Erfolgreiche Gründer hingegen werden mit der berühmten Neiddebatte dargestellt, als ob sie einfach nur Glück gehabt hätten. Sicher gehört auch eine große Portion Glück zu einer erfolgreichen Gründung, dennoch macht harte Arbeit 99% des Erfolgs aus.

Gestalten, nicht nur Verwalten

Ja, auch ich gehöre zur Generation der Erben und auch ich hätte mein Leben dank meiner Eltern, Großeltern und Urgroßeltern wie oben geschildert leben können. Aber ich möchte das nicht. Ich möchte selbst Gestalten, nicht nur Verwalten. Ich möchte mein Leben und meine Zukunft nicht vorgegeben bekommen. Und ich will, dass die Generation unserer Kinder und Enkel in der gleichen Umwelt aufwachsen können, wie wir das durften. Das klingt jetzt alles sehr polemisch und vielleicht auch überheblich, aber wenn ihr darüber nachdenkt und ehrlich seid, geht es Euch doch genauso, oder?

Für mich beginnt das “Gestalten” ganz unten, deswegen ja auch “fromherotoZERO“. Und ich behaupte auch nicht, dass ich sofort die Welt beeinflussen oder verändern werde. Aber ich möchte mich auch nicht zurücklehnen und gar nichts unternehmen.

Verlieren wir unsere Innovationskraft?

Nicht nur, dass die Zahl der Gründungen fällt und fällt, auch die Motivation zur Gründung in Deutschland sollte uns aufschrecken lassen. In Deutschland werden Unternehmen sehr häufig aus Mangel an Alternativen gegründet, weniger wegen der Ausnutzung einer Chance am Markt. Während in USA 60 Mal so viele Unternehmen (im Verhältnis zur Alternativlosigkeit) wegen Marktchance gegründet werden, so sind das in Deutschland nur 3 junge Unternehmen. Das bedeutet, dass in Deutschland von vier gegründeten Unternehmen eines rein aus Mangel an Alternativen gebründet wird z.B. Einstellen von Mitarbeitern als “Freelancer”. In USA liegt dieser Faktor bei 60:1.

Jetzt höre ich schon wieder die Kritik klingeln, dass in USA auf Kosten der Kreditkarte gelebt würde und Start-Ups ohnehin grundlos in den Himmel gehypt würden. Aber dadurch kann ein innovatives Umfeld entstehen. Lieber habe ich eine Innovation “auf Pump”, als gar keine Innovation. Und ohne dieses “hypen” würde es für uns vermutlich kein Google, kein Facebook und auch kein Whatsapp geben.

Und nur eines kann man mit Sicherheit sagen: Wer nichts macht, um etwas zu verändern, der verändert auch sicher nichts! Darum müssen wir auf lange Sicht wieder umdenken und zurück zu den alten Werten finden! (<– Das ist mal ein schöner Schlusssatz!)

Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, darum sind Kommentare und Kritik sehr willkommen.

Euer Sebastian

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1 Comment

  1. Hallo,

    ja, das sehe ich zu 100 % genauso. Es gibt nur sehr wenig Menschen, die nachvollziehen können, dass ich mit einer riesigen Leidenschaft täglich arbeite. Mit täglich meine ich auch täglich; egal, welcher Feiertag gerade ansteht. Das mache ich aber nur, weil ich eine Verpflichtung gegenüber mir selbst und meinen Kunden (Schüler und Lehrer) sehe, der ich mich mit größter Freude stelle.

    Herzliche Grüße,
    Dennis Becker

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