Wie jeder gute Gründer, und wie es mir auch vielseits geraten wurde, gehe ich häufig und gerne zu Gründerveranstaltungen (eine kleine Übersicht über Termine findet ihr in unserem Eventkalender). Diese Events bieten einen guten Rahmen, um andere Gründer kennenzulernen, allerdings kann hier auch sehr schnell eine falsche Euphorie auftreten vor lauter Zuspruch (Achtung: Selbstkritik).

Als erstes möchte ich sagen, dass ich sehr gerne auf Veranstaltungen gehe, da man hier viele andere Gründer kennenlernen kann und sich über die alltäglichen Probleme, die jeden Gründer früher oder später interessieren, austauschen kann. Noch dazu gibt es auch immer wieder Vorträge zu verschiedenen Themen, die mich interessieren und auch weiter bringen.

Auf der anderen Seite finde ich das Verhalten der Gründer an solchen Veranstaltungen zueinander häufig ein bisschen zu oberflächlich – hier schließe ich mich selbst mit ein. Jeder erzählt beim Kennenlernen anderer Gründer als erstes von seiner Idee – soweit das Positive – jedoch hört man häufig aus allen Ecken des Raumes nur noch “Aaaaahs” und “Oooohs” und “Tolle Ideeeee”, selten werden Ideen auch ehrlich kritisiert. Ich kann dieses Verhalten der Lobenden durchaus verstehen, denn als Gründer möchte man auch gerne gelobt werden und sucht sich aus diesem Grund auch zuerst die positiven Teile einer Idee heraus. Das positive Urteil wird dann häufig leuchtend ausgeschmückt und dem Gründer nahe gebracht. Das ist schön als Bestätigung, aber ich erwarte mir doch eigentlich mehr.

Ich habe mir neulich auf einer Veranstaltung erlaubt eine Idee kritisch zu hinterfragen und den Gründer auf ein (offensichtliches) Problem mit dem Datenschutz hinzuweisen. Sofort nach meinem Einwurf war Stille in der Runde und ich blickte in entgeisterte Gesichter. Mit einem Knall war der Weihrauch verzogen und scheinbar hatte ich zu viel Realität in meine Anmerkung gesteckt. Und dabei hatte ich die Idee mit meiner Bemerkung weder abgewertet noch ausgeschlossen. Ich hatte lediglich auf eine zu schließende Lücke hingewiesen. Doch das war scheinbar nicht erwünscht.

Bereits zuvor hatten mich Freunde davor gewarnt, dass sich Gründer untereinander eventuell in einem Sog von Begeisterung und Zuspruch bewegen und man auch gar nicht merkt, dass ein Feedback zum Teil viel zu optimistisch ist. Das habe ich natürlich am Anfang von mir gewiesen, aber seit diesem Augenblick ist mir die Gefahr bewusst. Übrigens kam der von mir “angegriffene” Gründer im weiteren Verlauf des Abends zu mir, hat sich bei mir bedankt und mir mitgeteilt, dass er dieses Feedback zuvor schon von gehört hatte.

In Zukunft werde ich auf jeden Fall darauf achten, ob ein Zuhörer sich ehrlich mit meiner Idee und meinem Business Plan auseinandersetzt oder, ob er einfach nur etwas Positives sagen will, um mich glücklich zu machen. Meistens verdränge ich negative Kritik im ersten Augenblick, doch wenn ich später darüber nachdenke merke ich, dass negative Kritik (zumindest konstruktive) für mich auch Inspiration ist. Denn ich will es einem Kritiker erst recht beweisen.

Darum gehe ich auch weiterhin gerne zu Veranstaltungen, ich versuche nur möglichst zu trennen zwischen (Selbst-)Beweihräucherung und Kritik.

Sebastian

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